Direkt zum Inhalt springen
Quelle: shapecharge/E+/Getty Images
Quelle: shapecharge/E+/Getty Images

Pressemitteilung -

apoBank-Umfrage in Praxen und Apotheken: Für mehr Nachhaltigkeit braucht es mehr Unterstützung

Eine gesunde Umwelt ist Grundvoraussetzung für die Gesundheit - wie nachhaltig ist aber das Gesundheitssystem selbst? In Deutschland kümmern sich über 100.000 Arztpraxen, rund 50.000 niedergelassene Zahnärzt*innen sowie knapp 19.000 öffentliche Apotheken um die ambulante Versorgung. Deshalb wollte die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) wissen, wie es um die Nachhaltigkeit in deutschen Praxen und Apotheken bestellt ist, welchen Stellenwert das Thema für die niedergelassenen Heilberufler*innen hat und welche Hindernisse es gibt. Insgesamt nahmen 500 selbständige Hausärzt*innen, Fachärzt*innen, Zahnärzt*innen und Apotheker*innen an der Umfrage teil.

Die Studie zeigt, dass Nachhaltigkeit in deutschen Praxen und Apotheken durchaus ein aktuelles Thema ist: Für 61 Prozent der Befragten hat sie einen hohen Stellenwert, für 28 Prozent sogar eine sehr hohe Relevanz. Auf einer Skala von 1 (nicht nachhaltig) bis 10 (sehr nachhaltig) bewerten die Heilberufler*innen ihre Praxen und Apotheken durchschnittlich mit 6,2. Die größten Treiber für mehr Nachhaltigkeit sind dabei die eigene Überzeugung oder die soziale Verantwortung gegenüber der nachfolgenden Generation.

"Um sich dem vielschichtigen Thema zu nähern, haben wir uns in der Ausgestaltung unserer Studie an dem geläufigen ESG-Modell orientiert, das auf den drei Säulen 'Environmental', 'Social' und 'Governance' basiert. Entsprechend geht es nicht nur um den sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen, sondern auch um ökonomische und soziale Kriterien der Nachhaltigkeit", erklärt Daniel Zehnich, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der apoBank.

Ökologische Aspekte: Entsorgungsmanagement ganz oben auf der Agenda

Fast alle abgefragten ökologischen Maßnahmen werden von mindestens der Hälfte der Niedergelassenen bereits berücksichtigt - allem voran das Entsorgungsmanagement, wie beispielsweise Mülltrennung, Recycling oder die Nutzung von Mehrwegprodukten. Dicht gefolgt von einem ressourcenschonenden Energieverbrauch, sei es durch Ökostrom oder energieeffiziente Geräte und der Digitalisierung im Sinne einer papierlosen Praxis bzw. Apotheke. Nach der eigenen Motivation befragt, nennt die Mehrheit neben intrinsischen Faktoren wie persönliche Überzeugung und soziale Verantwortung auch die Senkung der Betriebskosten.

Auf der anderen Seite gehören ein Mangel an nachhaltigen Alternativen sowie ein hoher Zeit- und Kostenaufwand zu den Kriterien, die eine nachhaltige Entwicklung eher ausbremsen. "Die Wirtschaftlichkeit der eigenen Praxis oder Apotheke müssen die Niedergelassenen stets im Auge behalten. Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit sind davon selbstverständlich nicht ausgenommen", kommentiert Zehnich.

Soziale Aspekte: Verantwortung bei der Politik und sich selbst

Mit 90 Prozent sind sich fast alle darüber einig, dass Maßnahmen, die einen positiven Effekt auf Umwelt und Klima haben, gleichzeitig die Gesundheit verbessern und die Lebensqualität steigern. Um eine nachhaltigere Gesundheitsversorgung voranzutreiben, sehen 88 Prozent die Politik in der Verantwortung. 75 Prozent fühlen sich jedoch auch selbst dafür zuständig, Patient*innen und Kundin*innen zu einer nachhaltigen Lebensführung zu animieren.

"Alles in allem ist das Verantwortungsgefühl stark ausgeprägt. Einen deutlichen Handlungsbedarf manifestiert vor allem die Erkenntnis, dass mehr als die Hälfte der befragten Heilberuflerinnen und Heilberufler eine Zunahme der gesundheitlichen Auswirkungen wahrnimmt, die aus Klimaverschmutzung resultieren", betont Zehnich.

Ökonomische Aspekte: neue Konzepte benötigt

Als deutliche Lehre aus der Corona-Pandemie offenbart die Umfrage einen starken Wunsch nach einer nachhaltigen Modifizierung des Gesundheitswesens: 90 Prozent sind der Meinung, dass das Gesundheitssystem in Deutschland resilienter, krisensicherer und präventiver gestaltet werden muss. 88 Prozent fordern nachhaltigere Versorgungskonzepte. Dass auch die Digitalisierung für mehr Nachhaltigkeit sorgen könnte, stößt nur bei jedem oder jeder Zweiten auf Zustimmung. Allerdings steht auch für die Hälfte der Befragten das Gesundheitswesen aktuell vor wichtigeren Herausforderungen.

"Die gute Nachricht: Die Stellschrauben, die wir gemeinsam als Akteure des Gesundheitswesens zur Verfügung haben, sind nicht neu. Nachhaltigkeit verbindet in diesem Zusammenhang noch einmal unterschiedliche Aspekte und Wirkungsmechanismen. Gehen wir beispielsweise die Digitalisierung und Vernetzung der Sektoren an, machen wir gleichzeitig einen großen Schritt in Richtung nachhaltiges Gesundheitswesen", so Zehnich. "Der Wunsch nach konkreten Ideen sowie mehr Orientierung und Unterstützung von öffentlicher Seite ist ein Signal, das Entscheider und Gestalter im Gesundheitswesen aufgreifen sollten. Auch wir als Bank der Gesundheit haben den Anspruch, den Geschäftsbetrieb sowie die gesamten Geschäftsaktivitäten perspektivisch klimaneutral zu gestalten und Heilberufler bei ihrem Wunsch zum nachhaltigeren Wirtschaften zu begleiten."

Heilberufsgruppen im Vergleich

Hausärzte sehen sich in der Verantwortung

Bei Hausärzt*innen hat Nachhaltigkeit die höchste Relevanz: Mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, dass das Thema im persönlichen Umfeld einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Jede*r Dritte sieht die eigene Praxis als sehr nachhaltig aufgestellt – der höchste Wert im Berufsgruppenvergleich. Ein möglicher Grund: Hausärzt*innen sind die Berufsgruppe, die in ihrem eigenen Tätigkeitsbereich eine deutliche Zunahme der gesundheitlichen Auswirkungen durch Umweltverschmutzung wahrnimmt (60 Prozent). Entsprechend fühlen sich 84 Prozent selbst dafür zuständig, zu einer nachhaltigen Lebensführung zu animieren.

Fachärzte setzen auf Digitalisierung

28 Prozent der Fachärzt*innen bescheinigen der Nachhaltigkeit einen sehr hohen Stellenwert, und genauso viele schätzen ihre Praxis als nachhaltig ein. Dabei achten sie vor allem auf eine Umstellung der analogen Praxisprozesse zu digitalen Anwendungen (80 Prozent), ein intelligentes Entsorgungsmanagement (78 Prozent) und einen ressourcenschonenden Energieverbrauch (76 Prozent). Ähnlich wie Hausärzt*innen messen sie mit 63 Prozent der Digitalisierung im Gesundheitswesen mehr Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung bei als ihre pharmazeutischen oder zahnärztlichen Kolleg*innen.

Zahnärzten fehlt es an nachhaltigen Alternativen

Lediglich 21 Prozent der Zahnärzt*innen stufen das Thema Nachhaltigkeit als persönlich sehr relevant ein, dennoch sehen 27 Prozent - ähnlich wie bei Fachärzt*innen – ihre Praxis nachhaltig aufgestellt. Dabei setzen sie auf Maßnahmen in Sachen Entsorgungsmanagement (87 Prozent), Energieverbrauch (80 Prozent) und Digitalisierung (75 Prozent). Der Mangel an nachhaltigen Alternativen ist vor allem für Fach- und Zahnärzt*innen (63 bzw. 62 Prozent) die größte Hürde für mehr Nachhaltigkeit in der Praxis.

Apotheker mit starkem Fokus auf Entsorgungsmanagement

27 Prozent der Apotheker*innen finden das Thema Nachhaltigkeit persönlich sehr wichtig, aber nur 19 Prozent bezeichnen ihre Apotheke als nachhaltig. Ihnen fehlt es in erster Linie an alternativen Lösungen, doch auch hohe Kosten und wenig Unterstützung von öffentlicher Seite sind Herausforderungen auf dem Weg in die grüne Apotheke. Im Vergleich mit anderen Heilberufsgruppen legen am meisten Apotheker*innen viel Wert auf Entsorgungsmanagement und sie gewichten stärker Mobilitätsaspekte, wie Fahrgemeinschaften und Bezuschussungen bei Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel.

Alle Ergebnisse, auch für die einzelnen Heilberufsgruppen, finden Sie in der beigefügten Präsentation.

Methodik

Die Online-Befragung wurde in Zusammenarbeit mit DocCheck Research im Juli/August 2021 durchgeführt. Insgesamt wurden 500 niedergelassene Heilberufler, davon jeweils 125 Hausärzt*innen, Fachärzt*innen, Zahnärzt*innen und Apotheker*innen befragt.

Themen

Tags


Über die apoBank

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) ist die größte genossenschaftliche Primärbank und die Nummer eins unter den Finanzdienstleistern im Gesundheitswesen. Kunden sind die Angehörigen der Heilberufe, ihre Standesorganisationen und Berufsverbände, Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und Unternehmen im Gesundheitsmarkt. Die apoBank arbeitet nach dem Prinzip "Von Heilberuflern für Heilberufler", d. h. sie ist auf die Betreuung der Akteure des Gesundheitsmarktes spezialisiert und wird zugleich von diesen als Eigentümern getragen. Damit verfügt die apoBank über ein deutschlandweit einzigartiges Geschäftsmodell. www.apobank.de

Seit der Gründung vor fast 120 Jahren ist verantwortungsbewusstes Handeln in den Unternehmenswerten der apoBank fest verankert. Sie setzt sich fürs Miteinander ein, fördert Zukunftsprojekte, Kultur sowie soziales Engagement und investiert in Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein: www.apobank.de/mehr-ermoeglichen

Pressekontakte

Anita Widera

Anita Widera

Pressekontakt Pressereferentin 0211 5998 153

Zugehöriger Content

Zugehörige Stories

Bank der Gesundheit

Von Heilberuflern für Heilberufler - so lautet das Prinzip der apoBank. Seit fast 120 Jahren ist unsere Genossenschaft auf die Anliegen der Heilberufler spezialisiert. Wir beraten Apotheker, Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte in jeder Lebensphase, vom Studium über die Anstellung oder Selbständigkeit bis in den Ruhestand. Als Finanzierungspartner im Gesundheitsmarkt begleiten wir die Standesorganisationen, Berufsverbände, Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und Unternehmen im Gesundheitsmarkt.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Richard-Oskar-Mattern Str. 6
40547 Düsseldorf
Deutschland