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Marktkommentar: Zehn Thesen zur Aktienmarktstruktur – warum Kurse trotz Öl und Geopolitik hoch bleiben
Trotz hoher Ölpreise und geopolitischer Spannungen notieren die Aktienmärkte vielerorts nahe Höchstständen – mit zehn Thesen zur aktuellen Aktienmarktstruktur ordnet Dr. Stefan Schüder, CFA, Senior Specialist Economics bei der apoBank, die zentralen Treiber, Risiken und Spannungsfelder ein.
- Kurzfristig dominieren geopolitische Entwicklungen die Märkte; mittel- und langfristig bleiben jedoch Gewinnwachstum und Konjunktur die entscheidenden Treiber.
- Der jüngste Energiepreisanstieg erhöht die Inflationsrisiken für die kommenden Quartale spürbar – und verschiebt damit die Risikobalance.
- Die Zentralbanken stehen vor einer schwierigeren Abwägung zwischen robuster Konjunktur und wieder steigenden Inflationsrisiken – entsprechend hoch bleibt die Zinssensitivität der Märkte.
- Höhere Anleiherenditen belasten zunehmend die Bewertungen und verschlechtern die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen – dadurch steigt die Hürde für weitere Kursgewinne.
- Die globale Konjunktur bleibt insgesamt robust und stützt die Aktienmärkte, insbesondere in den USA und ausgewählten Schwellenländern.
- US-Aktien profitieren überdurchschnittlich von solidem Wachstum, Innovationskraft und starker Gewinnentwicklung im Technologiesektor – das erklärt die anhaltende relative Stärke.
- Europa steht vor strukturellen Nachteilen durch höhere Energieabhängigkeit und geringere Wachstumsdynamik – und bleibt damit anfälliger für externe Schocks.
- Die Marktentwicklung wird zunehmend von wenigen großen Unternehmen getragen – das erhöht Konzentrationsrisiken und macht Rückschläge potenziell abrupter.
- Die Dynamik im Technologiesektor bleibt ein wesentlicher Treiber. Das Potenzial für weitere Kursanstiege ist angesichts hoher Bewertungen, steigender Zinsen und geopolitischer Risiken jedoch begrenzt – Selektion wird wichtiger als ‚der Markt‘.
- Die Abwärtsrisiken infolge der Möglichkeit einer erneuten Eskalation im Iran-Konflikt werden durch solide Gewinne und eine stabile globale Wachstumsdynamik abgemildert – sie sind aber nicht vom Tisch.