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Wie die Digitalisierung Krankenhausbau und -planung verändert

News   •   Mär 15, 2018 14:58 CET

Harald Schäfer, Frank-Michael Frede, Tino Lesche und Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff diskutierten über Krankenhausplanung und -bau in Zeiten der Digitalisierung. Moderation: Anton J. Schmidt. Foto: apoBank

Braucht ein Krankenhaus eine eigene Sterilisiereinheit, Tischlerei - oder gar Polsterei? Müssen Medikamente vorgehalten werden, wenn eine zuverlässige „Just-in-time“-Lieferung per Fallwagen alles günstig bereitstellen kann? Und ist bei neuen Konzepten der herkömmliche Empfang nicht überflüssig, wo inzwischen Patienten automatisch registriert und durch das Krankenhaus navigiert werden könnten? Die Experten der Session „Bauen und neue Technik bei laufendem Betrieb - So geht es!“ zeigten auf dem Gesundheitskongress des Westens in Köln wie Krankenhausbauten in Zeiten der Digitalisierung geplant und realisiert werden. Um die erforderlichen Betriebsabläufe miteinander in Einklang zu bringen, sei es wesentlich, auf eine strukturierte Vorgehensweise zu setzen.

Ein Simulationsmodell, das hier Hilfe bietet, ist das sogenannte Building Information Modeling, kurz BIM. Mit der in der Industrie schon üblichen Software werden Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden vorstrukturiert und optimiert. Die modernste Version BIM 6D umfasst eine As-Build-Komponente - der Betrieb des Krankenhauses wird simuliert bis ins Detail.

Harald Schäfer, Projektgeschäftsführer Neubau Flugfeldklinikum der Kreiskliniken Böblingen stellte die Möglichkeiten am konkreten Beispiel vor. Er verwies darauf, dass sich für eine sinnvolle Anwendung der gesamte Prozess in das System einordnen müsse: Dienstleister müssen per „BIM-Fühererschein“ nachweisen, dass sie zur Anwendung in der Lage sind, wobei die Kalkulationen wiederum einen entsprechenden BIM-Aufschlag beinhalten. In der sehr strukturierten Vorgehensweise sieht er – sofern sie stringent genutzt werden - jedoch einige Vorteile: Die Anwendung biete vor allem die Möglichkeit, die neuen Abläufe frühzeitig und gemeinsam mit den Nutzern visualisieren und modellieren zu können.

Frank-Michael Frede, Geschäftsführer von VAMED Deutschland, stellte Möglichkeiten dar, wie mit einem geringen Budget große Pläne gelingen könnten. In den Fokus stellte er die Optimierung der eigenen Vollkosten. Hierfür sei es allerdings unerlässlich, die eigenen Daten auch vollständig und gemeinsam mit den Nutzern zu erheben. Insbesondere beim (teuren) Flächenbedarf kennt er Spielräume. Letztlich gehe es darum, die eigenen Prozesse zu optimieren und nicht darum, sie einfach nur in die digitale Welt zu übertragen.

Tino Lesche, Geschäftsführer der emtec e. V., umschreibt den Status Quo der Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern, als Treffen von Highclass-Medizin mit Regionalliga-IT. Im Vergleich zur Finanzbranche werde in Krankenhäusern nur etwa ein Viertel des Geldes für die IT in die Hand genommen. Gleichwohl erkennt er die Wandlungsbereitschaft der Häuser und empfiehlt ihnen eine klare Digitalisierungsstrategie. Es reiche nicht, einen IT-Manager einzustellen, die IT solle vielmehr als Partner verstanden werden.

Die Anforderungen des Patienten waren der Schwerpunkt von Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff, Leiter des Centrums für Krankenhausmanagement an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Aus seiner Sicht sollte das Krankenhausmanagement die Wünsche der Patienten deutlicher in die Konzepte einbinden. Er zeigte Gestaltungselemente mit einer positiven Wirkung für den Patienten, die wiederum Einfluss auf die Genesung hätten und damit – auch ganz ökonomisch betrachtet – sowohl zu einer höheren Zufriedenheit als auch zu einer kürzeren Liegedauer beitrügen. 

Sehen Sie zu dem Thema auch den Video-Blog von Michael Gabler.

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