Deutsche Apotheker- und Ärztebank folgen

Erfolgsfaktoren digitaler Geschäftsmodelle in der Medizin

News   •   Mär 27, 2019 11:15 CET

Diskutierten digitale Entwicklungen für das Gesundheitswesen: Henrik Mencke, Dr. Fabian Kording, Jessica Hanneken, Anna von Stackelberg und Dr. Bernhard Tenckhoff (v.l.)

Wie kann es dem Gesundheitswesen gelingen, von guten Ideen und Entwicklungen zu profitieren? Dieser Frage ging Jessica Hanneken, stellv. Direktorin der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank), mit ihren Diskutanten auf dem Gesundheitskongress des Westens nach.

Gemeinsam entwickeln

Henrik Mencke, Head of Health Innovation Port der Philips GmbH, schilderte den Health Innovation Port „HIP“. Gemeinsam von Philips und weiteren Partnern konstruiert, dient er dazu, Startups und etablierte Unternehmen zusammenzubringen. Die jungen Unternehmen können in dem Coworking Space die Infrastruktur, das Netzwerk und die Leistungen von Mentoren nutzen. Die Partner wiederum begleiten die Startups, um letztlich mit deren Ideen und Impulsen die eigenen Produkte innovativer zu gestalten und sich fit für die Zukunft zu machen.

Dass Ideen für das Gesundheitswesen oft außerhalb der etablierten Unternehmen entstehen, zeigte das Beispiel von Dr. Fabian Korting, Co-Founder und CEO der northh medical GmbH. Während seiner Arbeit an einer Uniklinik wollte er das bildgebende Verfahren zur Erkennung von Früherkrankungen im Mutterleib verbessern und zwar mit Fokus auf angeborene Herzerkrankungen. An der Uniklinik lies sich das nicht realisieren, weshalb er heute mit vier Kollegen und seinem Startup einen Prototypen erstellt hat. Mit diesem lässt sich die Bildgebung so synchronisieren, dass Herzfehler vor der Geburt erkannt werden können. Ein Vorwissen, mit dem die Qualität der Operation nach einer Geburt deutlich verbessert wird, da sich die Klinik entsprechend vorbereiten kann.

Fuß fassen im regulierten Gesundheitsmarkt

Noch immer ist es für innovative Unternehmen komplex mit ihren Leistungen in der Regelversorgung anzukommen. Wie dieser Weg sich entwickeln kann, zeigte Dr. Bernhard Tenckhoff, Abteilungsleiter Innovation, Strategische Analyse und IT-Beratung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Er stellte das KBV Projekt „Zukunftspraxis“ vor.

Mit einem Ideenwettbewerb gestartet, werden in Kürze zehn ausgewählte Ideen in der Umsetzung begleitet. Diese haben medizinische Anwendungen, Prozessoptimierungen, Verbesserungen der Dokumentation oder die Praxisverwaltung im Fokus. Im Praxistest erfahren junge Unternehmen wie das Gesundheitswesen funktioniert und können ihre Anwendungen in der Niederlassung erproben. Mehr als 300 Praxen verschiedener Bundesländer hatten sich beworben, die Ideen im Praxisalltag zu testen. Diese Tests werden derzeit vorbereitet. 

Im Ergebnis soll 2022 ein Evaluationsbericht stehen, der den Nutzen und den Mehrwert für die Beteiligten darlegt. Letztlich sollen die Erfahrungswelten der KBV und der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen, das innovative Wissen der jungen Unternehmen und die Anwendung in der Praxis verbunden werden. Tenckhoff spricht von „Sandboxes“, in denen gezielt Innovationen für die ärztliche Niederlassung untersucht werden sollen. Gleichwohl gelte es, die Entwicklungen zu evaluieren und Grundlagen für die Bewertung aufzubauen.

Mit Innovationen Praxisabläufe vereinfachen

Dass die Systeme, mit denen Ärzte in ihrer Niederlassung arbeiten, deren Arbeitsabläufe häufig erschweren, war der Beweggrund für die Arbeit von doctorly. Anna von Stackelberg, Chief Business Development Officer der doctorly GmbH, stellte das neue Praxissystem vor, das bestehende Standards verbessern will und Abläufe automatisiert. Ziel von doctorly ist es, Prozesse mittels Digitalisierung deutlich zu vereinfachen. Auch eine App für den Patienten soll angeboten werden, zu deren Nutzung der behandelnde Arzt ihn einlädt. Ihm dritten Quartal 2019 geht das von Ärzten mitentwickelte System in die Umsetzung.

Praktischer Nutzen

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Innovationen von verschiedenen Enden verfolgt werden sollten. In der Sache müssen sie Anwendbarkeit und Nutzen in der Praxis unter Beweis stellen. Das geht nur, wenn etablierte Unternehmen mit ihren Strukturen Innovationen aktiv gemeinsam mit den jungen Unternehmen angehen und Einstiege möglich machen.

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