Deutsche Apotheker- und Ärztebank folgen

Digitalisierung im Praxisalltag

News   •   Jun 07, 2018 15:34 CEST

Foto: apoBank

Das Deutsche Ärzteforum setzt sich unter der Leitung des Journalisten Jörg Bodanowitz mit der Frage auseinander, wie digitale Anwendungen Ärzte und Patienten unterstützen können. 

Daniel Zehnich, Leiter des Bereiches Gesundheitsmärkte und -politik der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, stellt zum Auftakt den neuen Ratgeber "Digitalisierung in der Praxis. Tipps und Tricks" für Heilberufler vor. Die apoBank hat darin die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage verarbeitet, in der sie von 1000 Patienten wissen wollte, welche Erwartungen diese mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen verbinden. Das Ergebnis: 60 Prozent der Befragten können sich vorstellen, digital mit dem Arzt zu kommunizieren, 62 Prozent würden ihre Gesundheitsdaten im Rahmen einer elektronischen Gesundheitsakte an Arzt und Apotheker weitergeben, und 33 Prozent sind überzeugt, dass die Digitalisierung ihre Gesundheit tatsächlich verbessern kann. 

Zehnich weist darauf hin, dass zwischen diesen Erwartungen und dem status quo digitaler Anwendungen in den heilberuflichen Praxen eine Lücke klafft: In der Praxisinfrastruktur überwiegen statische Programme und langsame Prozesse, bezüglich digitaler Anwendungen fehlt den Ärzten häufig auf dem unübersichtlichen Angebotsmarkt die Orientierung und bei den digitalen Lösungen für ihre Patienten fehlt es ihnen meist an der geeigneten Schnittstelle zur Praxis. Die apoBank hat das Kompetenzzentrum apoHealth gegründet, um Digitalisierung im heilberuflichen Umfeld erlebbar zu machen. Sie will die Ärzte dabei unterstützen, mit digitalen Anwendungen Prozesse zu optimieren, über mehr Zeit am Patienten zu verfügen, die Qualität der Versorgung zu verbessern und Patienten zu gewinnen bzw. zu binden.

Dr. Andreas Weimann, Geschäftsführer der Labor Berlin - Charité Vivantes Services GmbH, setzt auf Smart Data in der Diagnostik und erläutert den Einsatz künstlicher Intelligenz auf dem Feld der Mikrobiologie. Das Labor Berlin zerlegt dafür aktuell mehrere Millionen bakteriologische Befunde alphanumerisch zur Befundung von Antibiogrammen. Erste Ergebnisse werden derzeit durch Laborärzte validiert. Sie zeigen, dass sich mit dem neuen Verfahren effizient jene drei Prozent der Befunde identifizieren lassen, die vom Standard abweichen und eine gezielte ärztliche Aufmerksamkeit erfordern. Das Projekt befindet sich in einer Testphase, der Go Live ist in sechs bis acht Wochen geplant. Weimann ist überzeugt, dass die Künstliche Intelligenz den Arzt nicht ersetzen wird, aber dazu beiträgt, ärztliche Kompetenz dort einzusetzen, wo sie wirklich erforderlich ist und zugleich bei der Standardisierung und Qualitätsverbesserung hilft.

Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK Gesundheit, präsentiert die neue elektronische Patientenakte Vivy, die sein Haus in diesen Tagen im Verbund mit zahlreichen weiteren gesetzlichen und privaten Krankenkassen auf den Markt gebracht hat. Die Digitalisierung, so Storm, ändere das Verhältnis zwischen Arzt und Patient, wirke artzunterstützend, stärke die Selbstbestimmung im Versorgungsprozess und rücke die Idee des mündigen Patienten damit ein Stück näher an die Wirklichkeit. Voraussetzungen seien folgende Rahmenbedingungen: Die Einführung eines Masterplans Digitalisierung mit jährlichen Fortschrittsberichten, eine Interoperabilität der IT-Systeme, eine für den Patienten mehrwertige Technik, ein beschleunigter Aufbau der Telematik Infrastruktur und eine konkrete, verbindliche Regelung des Datenschutzes, die gewährleistet, dass der Patient Herr seiner Daten ist.

Nino Mangiapane, Leiter des Refererats Grundsatzfragen Gesundheitstelematik/eHealth im Bundesministerium für Gesundheit, verweist mit Blick auf den für den Herbst angekündigten Masterplan Digitalisierung auf die Komplexität der zu behandelnden Fragestellungen. Er plädiert dafür, sich nicht allein auf die Infrastruktur und Patientenakten zu konzentieren, sondern den Blick zu weiten: Wie können unterschiedliche Interessenlagen zusammengeführt werden? Welche für die Versorgung messbaren Wertbeiträge leisten digitale Anwendungen? Wie lassen sich Versorgungsdaten für die Forschung und Forschungsdaten für eine passgenaue personalisierte Versorgung nutzbar machen? Wie sehen Analysefunktonen aus, die eine strukturierte Datenaufbereitung für die Mediziner ermöglichen? Wie sehen Kritierien für gute Gesundheits-Apps aus?

Im Idealfall, resümmiert Moderator Bodanowitz, ist die Digitalisierung ein Gewinn für Patienten und Ärzte gleichermaßen. Die Debatte darüber, wie der Weg dahin konkret aussieht, wird weitergehen.

Erfahren Sie mehr auf der Themenseite der apoBank zur Digitalisierung

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